Berliner Breitbandkommunikation

Wort und Sinn








Der Goldene Elefant (2005)

Zum Ende wieder auf Anfang...

Keine Angst, es ist nicht das Ende der Berliner Breitbandkommunikation, die währet bekanntermaßen ewiglich. Aber die Ära Castorf könnte nach 25 Jahren tatsächlich an der Volksbühne zu Ende gehen. Aus diesem Anlass wird dort kräftig zurückgeschaut und hervorgeholt oder frisch geputzt, was schön war. Schön war natürlich auch die Premiere des Goldenen Elefanten von Alexander Kopkow in der nun auch schon 12 Jahre alten szenischen Lesefassung durch uns.

Deshalb gibt es das jetzt auch nochmal! Und zwar am Donnerstag, den 26. Januar 2017 um 20 Uhr im (was sonst) Roten Salon der Volksbühne!

Kartenvorbestellungen direkt beim Theater: 030 2406 5777

Der Goldene Elefant

Eine sozialistische Komödie von Alexander Kopkow
Szenische Lesung mit Musik

Inhalt

Erzählt wird die Geschichte des Kolchosbauern Gurjan Gurjanitsch, der durch einen Traum zu Reichtum kommt. Er findet einen goldenen Elefanten. Da das ganze Dorf Zeuge dieses Fundes wird, entsteht im Folgenden ein Streit darum, wie dieses Glück einzuordnen ist.

Ist es ein kollektives Glück, daß den Reichtum des Kolchos mehrt, oder ist es nicht doch eher ein amerikanisches Glück, weil ein Millionär nur in Amerika wirklich leben kann.

Gurjan Gurjanitsch - und der Zuhörer mit ihm - kommt im Verlaufe dieser Überlegungen zu überraschenden Einsichten...

Hintergrund

The story so far...

Alexander Kopkow schrieb den Goldenen Elefanten in der 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Theater der jungen Sowjetunion diente anfangs besonders als "Schule der Bevölkerung", die ihrerseits zu gut drei Vierteln aus AnalphabetInnen bestand. Theater war lehrreich in jeder Hinsicht. Und Theater wurde nicht nur geschaut, sondern auch von vielen gemacht.

Gerade durch die Verbreitung des Theaters wurde "oben" bald erkannt, dass Theater auch ein Weg war, die Revolution weiter zu entwickeln. Und zwar im Sinne derer, die auch "oben" waren. Theater hatte zu agitieren, und wer das nicht oder falsch oder auch nur nicht eindeutig genug tat, der wurde "ruhiggestellt".

Zwar galt das bäuerliche Theater, dem der Goldene Elefant zuzuordnen ist, als eher unpolitisch, aber die Mischung aus Naivität, Ironie und allseitigem Austeilen gegen Sozialismus wie Kapitalismus war den TheaterbeobachterInnen der UdSSR dann doch zu viel. So wundert es bei allem Lachen heute nicht, dass das Stück gleich am Anfang der 30er Jahre einkassiert wurde.

Überraschende Wiederauferstehung feierte es 1972 ausgerechnet in Ostberlin, wo es in der Regie von Fritz Marquardt mit Domröse, Glatzeder, Gysi u.a. seine deutsche Uraufführung an der Volksbühne erlebte. Es war ein Erfolg, nicht nur wegen der damaligen Starbesetzung. Bisweilen kam es zu sogenannten Foyergesprächen nach den Aufführungen. Bekanntermaßen waren solche Veranstaltungen "von allen Seiten" gut besucht. Die Protokolle dieser Foyergespräche brachten uns nicht nur viel Spaß, sondern weckten auch unser Interesse an einer Wiederaufnahme in neuer Form.

Aus dem grellen, matrjoschkahaften Bauerntheater wurde eine szenische Lesung für zwei Personen, etliche Figuren und ausgesuchte Lebensmittel geschneidert. Diese bekam noch einen musikalischen Teppich untergelegt, bei dem vor allem Eislerlieder, begleitet vom Akkordeon, die Szenerie begleiten.

Premiere war natürlich wiederum in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wo der Elefant auch in den 70ern sein Unwesen trieb. Neben anderen Berliner Bühnen fand diese Fassung verschiedene Aufführungsorte im ganzen Land, darunter im Wendland, in Schwerin und in Dresden.

Mitwirkende

Holger Brüns, Andreas Wallbaum, Susanne Schlenzig, Kathrin Buchmann und Dirk Rave